Früher war sogar die Zukunft besser
Gastkommentar von Ing. Andreas Glettler, Geschäftsführer Raiffeisen Immobilien Steiermark
Ich beginne meine Gedanken zum Thema Wirtschaft und im Speziellen zum Thema Immobilienwirtschaft mit einem Zitat, das dem bekannten Komiker Karl Valentin zugeschrieben wird. „Früher war sogar die Zukunft besser“. Bei näherem Hinsehen jedoch trifft es den Kern unserer gegenwertigen Empfindung erstaunlich präzise. Denn es beschreibt weniger die Zukunft selbst als vielmehr unsere Wahrnehmungen und unsere Erwartungshaltungen gegenüber dem Morgen.
Johannes Endl, Vorstand der ÖRAG Gruppe, hat sich in einem Artikel mit diesem Thema beschäftigt, welches ich nun etwas vertiefen möchte. Zukunft – das ist nie nur Fortschritt und Hoffnung, sondern immer auch das Unvorhersehbare, das Neue, das Unbekannte. Und doch war der Blick nach vorne, lange Zeit positiv geprägt: Wirtschaftswachstum, technischer Fortschritt, medizinische Durchbrüche und wissenschaftliche Errungenschaften nährten den festen Glauben an eine stetige Verbesserung unserer Lebensbedingungen. Dieser Optimismus spiegelt einen zutiefst menschlichen Wunsch wider – nach Sicherheit und Berechenbarkeit. Zukunft und das „Morgen“, hat auch immer das Unvorhersehbare, Neue und Unbekannte im Schlepptau. Es drückt unseren menschlichen Wunsch nach Beständigkeit aus. Dieser positive Blick, diese Erwartungshaltung hat sich eingetrübt. Man muss kein Ursachenforscher sein, um die Auslöser dafür festzumachen. Seit Jahren begleiten uns Krisen in unterschiedlichster Ausprägung. Diese Krisen gipfeln in der Erkenntnis, dass wir trotz aller erdenklicher Fortschritte in der Wissenschaft, rasanten Entwicklungen in der Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Forschungserfolgen, auf der Stelle treten. Auch im 21. Jahrhundert müssen wir zusehen, wie sich Menschen auf vielen Kriegsschauplätzen die „Schädl“ einschlagen. Wir werden von diesen Ereignissen bewusst oder unterbewusst beeinflusst und es setzt sich eine Spirale „nach unten“ in Bewegung. Der Glaube an das gute „Morgen“ rückt ins Hintertreffen. Zu groß sind Sorgen und Ängste geworden. Diese Spirale lässt sich nicht stoppen, wenn wir den einfachen, meist gut verständlichen, aber leider zumeist dümmlichen Parolen ausgewiesener Populisten und Demagogen folgen. Zu leicht fallen wir auf ihre vorgegaukelten Führungsstärken und Patentrezepte rein. Beispiele dafür, müssen leider nicht gesucht werden und finden sich gleichermaßen in der hohen Weltpolitik wie auch in unseren heimischen Politdebatten. Als gutes Instrument und „Gegengift“ erweist sich noch immer der Einsatz eines gesunden Hausverstandes.
Wie befreien wir uns nun aber von solch negativen Erwartungshaltungen? Was könnte diese „Spirale nach unten“ stoppen? Die entscheidende Frage lautet daher: Wie durchbrechen wir diese negative Erwartungshaltung? Es beginnt mit der Arbeit an unserer eigenen Erwartungshaltung. Schubumkehr ist gefragt!
Zurück zur Immobilienwirtschaft können Parallelen einfach gefunden werden. Wir lesen von verhaltener Marktstimmung – und Stimmung bzw. Erwartungshaltung ist ein zentraler Motor wirtschaftlicher Entwicklung. Sie beeinflusst Investitionen, Kaufentscheidungen und letztlich den gesamten Markt. Auch die Immobilienbranche lebt von Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft. Am Beginn all dieser Überlegungen steht der uneingeschränkte Wunsch nach leistbarem Eigentum, nach lebenswertem Wohnraum und nach erschwinglichen Mietpreisen.
Nach einer Entwicklung in den Boomjahren, die geprägt war von Attributen der Superlative – höher, schneller und teurer, hat sich grenzenloses Wachstum bald als wenig nachhaltiges Erfolgsmodel erwiesen. Begleitet von gestiegenen Zinsen, restriktiven Kreditvergaberichtlinien und gestiegenen Lebenshaltungskosten fand diese Entwicklung ein abruptes Ende. Kaufentscheidungen zum Erwerb von Eigentum wurden aufgeschoben, Wohnprojekte verschoben und Bauvorhaben gestoppt. Dieser Tiefpunkt scheint mittlerweile durchschritten. Erste Zeichen eines Erwachens aus der Schockstarre sind sichtbar. Und genau darin liegt die Chance: ein Neustart mit realistischeren Erwartungen.
Immobilienpreise haben sich nach Rückgängen stabilisiert, das Zinsniveau bewegt sich wieder in einem akzeptablen Rahmen, Wohneigentum hat seine Wertbeständigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt und steigende Einkommen verbessern die Leistbarkeit. Für den privaten Verkauf und Erwerb von Immobilien sehen wir demnach eine Zeit der Entspannung vor uns. Ein gutes Angebot trifft auf Interessenten, die die Zeit erschwinglicher Immobilienpreise nutzen wollen. Diese Zeit ist jetzt. Unter diesen Voraussetzungen zeichnet sich ein vorsichtig positives, aber tragfähiges Bild für die Zukunft der Immobilienbranche ab. Für das Immobilienjahr 2026 ist demnach ein nachhaltiger Aufschwung realistisch, bestimmt keine Höhenflüge, aber gesundes Wachstum. Kauf- und Verkaufsentscheidungen dürfen also wieder aktiv und fundiert getroffen werden, wenn es sich dabei um die gute Gebrauchtimmobilie handelt.
Anders zeigt sich (noch) die Entwicklung im Neubaugeschäft. Die Achterbahnfahrt ist nicht zu Ende und Investoren zeigen sich weiterhin zögerlich. Projektentwickler und Bauträger haben weiter mit hohen Kosten, strengen Bankvorgaben und unendlich langen Bauverfahren zu kämpfen. Negative Auswirkungen zeigen sich schon am Markt und das Angebot an Neubauwohnungen ist merklich gesunken. Logisch, dass diese Entwicklung die Mietpreise weiter befeuert. Auch unsere Politik ist gefordert und der beispielhafte Beschluss von Mietpreisbremsen ist lediglich Arznei, die rein auf die Abschwächung von Symptomen abzielt.
Unabhängig welche Pläne umgesetzt werden sollen, für sichere und nachhaltige Entscheidungen ist die Expertise von Fachleuten unverzichtbar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Raiffeisen Immobilien verfügen über diesen Hintergrund und begleiten ihre Kundinnen und Kunden kompetent auf diesem Weg. Mittlerweile stehen wir mit 14 Bürostandorten Steiermark weit in engem Austausch mit Finanzierungsberatern der Raiffeisenbanken und setzen dabei auf die regionalen Marktkenntnisse unserer Kolleginnen und Kollegen.
Damit Karl Valentin am Ende doch nicht recht behält, bleibt der Wunsch, dass sich unser derzeit noch getrübter Blick auf die Zukunft bald wieder aufhellt – und aus vorsichtiger Hoffnung und Zuversicht erneut eine positive Erwartungshaltung erwachsen kann.

Ing. Andreas Glettler
Geschäftsführer Raiffeisen Immobilien Steiermark
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